Das Handy und der ÖPNV

Like

Ich fröne einem sehr alten Hobby: Ich lese gerne Bücher!
Ja, genau! Bücher! Diese Dinger, die ohne Strom laufen, keine MP3’s abspielen können und für die es keine Klingeltöne im Super-Spar-Abo bei Jumbo und Mambo gibt. Bücher eben.

So richtig gern lese ich morgens und abends in der S-Bahn. Hat zwei Gründe: Erstens kann man sich die halbe Stunde ganz gut damit vertreiben und zweitens hat man einen guten Grund, seine Mitmenschen nicht ständig anschauen zu müssen.

An und für sich eine prima Sache, wären da nicht die Handys!
Immer, (immer!) wenn ich in Ruhe (ich vergaß: Ruhe ist bei der Ausübung meines Hobbys zwingend notwendig!) ein paar Seiten des Buches meiner Wahl lesen möchte, klingelt bei meinem Nachbarn, Vordermann oder sonstigen Leuten in meiner Nähe, das Handy.
Man muss einfach mithören, was sich diese Leute so schrecklich uninteressantes zu erzählen haben, ob man will oder nicht – man kann nicht anders. Auch wenn man noch so krampfhaft versucht, wegzuhören und zu lesen: es geht einfach nicht!

Klassiker dieser S-Bahn Unterhaltungen:

– Hallo… (Pause) hallo… (Pause) du… (Pause) du, ich verstheh dich nicht mehr so… (Pause) Funkloch… (Pause) hallo? (4malig Wiederholung, bis das Funkloch diesen Monolog gnädigerweise beendet!)
– Hallo, ja schön, dass du anrufst… (Pause) du… (Pause) ich sitze gerade in der S-Bahn, und… (Pause) du, ich ruf dich später zurück… (Pause) ja, o.k., bis dann… (Pause) ich ruf dich später zurück… (Pause) du ich kann jetzt schlecht… (Pause) ich rufe dich dann, wenn ich aus der S-… (Pause) ja, genau… (Endlosschleife!)
– Machallema? (Pause) Allemalach… (Pause) Mahattama, mannwadamahaarda… (Pause) fallachematta… (Pause) jallajalla… (Dauer dieser Telefonate: im Schnitt 15-20 Minuten! Schalldruck: 140 Dezibel!)
– Hallo, ich komme ein wenig später, weil die S-Bahn sich wohl verspätet! (Pause) Nee, so circa ne Viertelstunde, maximal zwanzig Minuten… (Pause) o.k., dann weißte ja Bescheid (Pause) mmmmh… (Pause) ja! (Pause) ja! (Pause) nee… (Pause) o.k. bis dann! Servus! (Aufgrund des Herdentriebes, greifen nach diesem Telefonat 80% der Fahrgäste zum Handy, um genau dieses Telefonat zu wiederholen!)

Aber der Genickschuss jeder literarischen Aufnahmefähigkeit ist folgendes Telefonat:

Hallo… (Pause) ja, ich sitze gerade in der S-Bahn… (Pause) ja… ich vermisse dich auch, ganz doll… (Pause – beginnende Panik bei allen Mitreisenden) ich habe dich auch lieb… (Pause – Schmatzgeräusche, wohl angedeutete Küsse) mmmmmmmmh! (Pause) mmmmmmh! (Pause) mmmmmmmh! (Pause – Schmatzgeräusche) ich habe dich auch ganz, ganz, ganz doll lieb… (Pause – Maschinengewehrfeuer von Schmatzgeräuschen) du, ich komme heute Abend erst um halb sieben nach Hause! So lange muss ich heute auf dich warten… (Pause – nun Massenpanik) ja, Schatzi (wahlweise: Moppel, Bärli, Hasi, Muckel, oder sonstige infantilen Kosenamen), ich weiß… (Pause) aber ich kann heute wirklich nicht früher… (Pause – Mordlust macht sich allenthalben breit) neeee, weißte doch… (Pause – ich denke über aktive Sterbehilfe nach) neeee… du ich kann heute wirklich nicht früher gehen… ich weiß, dass du da hin wolltest, geht aber heute nicht, Schatzi… musste verstehen… (Pause – aha! Ärger im Paradies? Schatzi zickt wohl rum?) neee… jaaa… neee… hihihihihihi (was nun folgt, ist ein fünfminütiger Kicherteil! Nur soviel: DIE HÖLLE!) ja du… ja… ja, ich dich auch (und du mich auch!) naa? (?) o.k. bis dann Bussi (Schmatzgeräusche) ja ne? Ja! Du… du, ich muss jetzt raus… (Pause) ja… ne? Also bis heute Abend… Servus! Bussi!!! (Die Überlebenden in der S-Bahn, beneiden spätestens jetzt die Toten!)

Lesen? Geht! Verstehen was man liest? Unmöglich!
Mein Rekord beim Lesen von nur einer Seite?

Ort: Regionalbahn München – Landshut
Buch: Die Arche von Alastair Reynolds (Schwierig aber gut!)
Seite: 442
Wiederholungen: 17!
Inhalt: nicht die geringste Ahnung!

Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf! Irgendwann habe ich bestimmt mal Ruhe in der S-Bahn oder in anderen Zügen, auf die ich mangels Führerschein und Auto angewiesen bin (man wird ja wohl noch Träume haben dürfen…), oder ich lausche wenigstens mal einem wirklich interessanten Gespräch!

Bis dahin alles Gute! Und solltet ihr mal Schatzi treffen: Bärli kann erst ab halb sieben!

In diesem Sinne:

Euer Carsten

Like

About the Author

Hoettges

Hoettges

128 Comments

kuder

Du hast total recht. Geistiger Schredder, über den ich wütenste Pamphlete verfasst habe. Der Horror, der Welt.
DAS totale Grauen. Der Schmerz im Steissbein. Krebs im Hirn!!!!!!!!!!!!!!!!.

Reply
Hoettges

Nee, derzeit isses bei uns unmöglich Mopped zu fahren (ausserdem friert mir bei der Kälte nach 2km immer der Vergaser ein).
Aber Du glaubst nicht wie viele Idioten ich heute mit dem Fahrrad gesehen habe…
(Komplett unmögllich bei dem Wetter, aber es gibt eine Deppenszene, in der sich das noch nicht rumgesprochen hat!)

Reply
Hoettges

Geil sind auch die Top-Darter:
Keiner Jünger als 40 und keiner leichter als 100 Kilo!!!
In Dufftown (Schottland) habe ich mal den Stadtmeister um mehrere Biere erleichtert, bin also nicht der Schlechteste.
40 bin ich mittlerweile auch und an 100 Kilo fehlen gerade mal ca. 4 Kilöchen.

Also her mit dem Phil Taylor!!!

Reply
Hoettges

Witzig, ne?
Das Kaff gibt es tatsächlich und umgangssprachlich kann man duff auch mit träge, leicht bekloppt übersetzen…
Da gibt es jedoch nur McEwans – kann man aber auch trinken!

Reply
Hoettges

Nix gegen McEwans…
Ausserdem kommt aus dem Kaff noch so’n Zeug wie Glenfiddich oder The Balvenie (hierbei ist der Double Wood sehr lecker)!!!

Reply
Hoettges

Titel sind (so glaube ich noch) u.A.:
– Breit wie ne Sau
– Oh Doppelkorn
– Sieben Halbe
– Kein Bier

Hmmmm…. irgendwie ist da ein Trend zu erkennen…

Reply
Hoettges

Warte noch ein Weilchen:
Der Sessel is‘ am WE angekommen!!!
Habe ihn schon aufgeblssen und probegesessen – Fazit: geiles Möbel!

Onko + Aufwandsentschädigung schicke ich dann im Laufe der Woche ab!
Dann gibt es 500g lang Kaffeegenuss pur!
(Langsam wird’s mal Zeit, dass ich mal Knete für die andauernde Werbung bekomme…)

Besten Dank nochmal, Herr Gummibär!!!!!!!!!!

Reply
Hoettges

Richtig!
Ich habe schon mehr Leute zum Onkonismus gebracht, als deren Marketingabteilung in den letzten zehn Jahren!!!

Reply
Hoettges

Irgendwann schon, aber auch nur befristet, mit beschissenem Gehalt in einem aufstrebenden Umfeld mit flacher Hierarchie, so dass Du dann garnix mehr zu sagen hast…

Reply
Hoettges

Was bist du für ein Egoist:
du kannst doch nicht den armen Unternehmern und Investoren und sonstigen Heuschrecken die Extras in Ihren Porsches, Jaguars, Maybachs und Co. nicht einfach streichen, weil du ein adäquates Gehalt willst?

Tztztz….

Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

16 − sechzehn =