Das Wir-Gefühl

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Isses Euch während der WM mal aufgefallen, dass alle von der Deutschen Mannschaft als „Wir“ reden?

– Wir haben gut gespielt!
– Wir haben die Schweden nach Hause geschickt!
– Wir machen die Argentinier fertig!

Wir…? Ich auch?

Ich habe zwar mal Fußball gespielt, aber das ist ewig her. Und außerdem glaube ich nicht, dass 80 Millionen gegen elf fair ist!

Solten Klinsis Kicker aber gegen die Argentinier den Kürzeren ziehen (nur als Gedankenexperiment!!! Keine Bange!), dann wird keiner sagen: „Wir haben scheiße gespielt!“, sondern: „Die haben sich eine Scheiße zusammengespielt!“

Aha! „Wir“ also immer nur im Erfolgsfalle, auch wenn man nichts dazu beigetragen hat!

Der Mayer-Vorfelder sagte gestern in einer Pressekonferenz folgenden Satz:
„Der Erfolg hat viele Väter, der Mißerfolg ist eine Waise!“
Bekam ja fast respekt vor dem Fuzzy, dieser Aphorismus wird aber wohl kaum von ihm stammen.
Nichts desto trotz: Der Spruch hat was für sich!

Denn überlegen wir mal: Wie isses denn in Deutschland? Als Beispiel könnte ein Unfall dienen, denn nach einem solchen wird zuerst gefragt: „Wer ist schuld?“
Wer ist schuld! Nicht etwa: Wie ist es dazu gekommen? Ist wer verletzt? Wie kann man helfen? Nee: Wer ist schuld!
Im Erfolgsfalle wird der Urheber nicht persönlich benannt, sondern meistens wird die gute Teamarbeit gelobt! (Wir haben…)

Einzelleistungen (Boris Becker gewinnt Wimbledon, Schumi wird F1 Weltmeister, ich bekomme den Literaturnobelpreis…), die nicht in ein Team passen und somit nicht einer Wir-haben-gewonnen-Stimmung (Einzige Ausnahme: Wir sind Papst!) geteilt werden können, obliegen einer genauen Betrachtung!
Denn sollte Boris mal nicht Wimledon gewinnen, Schumi mal nicht Weltmeister werden (…und ich mal keinen Preis bekommen…) oder sonst wer seinen Erfolg wiederholen können, ist er der Depp der Nation!

Ein bereits errungener Erfolg sollte in Deutschland also von Dauer sein (daher die Ausnahme mit „Wir sind Papst“), denn sonst ist man sehr schnell alleine! Denn alle wollen von diesem Erfolg partizipieren, im Mißerfolgsfalle wird man gemieden!

Für mich persönlich eine Zwickmühle:
Auf der einen Seite will ich erfolgreich sein, auf der anderen Seite können mich alle mal am Arsch lecken! (Mit alle meine ich natürlich die ganzen Wir-Idioten, die immer dann kommen, wenn man mal etwas geleistet hat! Leider sind das sehr, sehr viele.)

Ein Teufelskreis? Wahrscheinlich! Das meinten weise Menschen wohl mit „Dem Preis des Erfolges“.

Lösungsvorschlag: Wenn ich dann (irgendwann) mal reich und/oder berühmt bin, werde ich mich Klaus nennen!

Bis dahin:

In diesem Sinne

Euer Carsten

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Hoettges

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