Deutsch 2.0 SE

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Manchmal ist das Deutsche schon etwas seltsam:
Allein wie manche Ding bezeichnet werden, spiegelt den geistigen Stand der Nation wieder.
Zum Beilspiel nimmt der Deutsche gern den Markennamen als den eigentlichen Begriff und begeht somit seit Jahrzehnten kostenlose Schleichwerbung.
– Man braucht ein Tempo niemals ein Papiertaschentuch.
– Einen Klebestreifen benötigt auch kein Mensch einen Tesafilm dafür sehr oft!
– Ein mobiles Chemiescheißhaus ist dann das DIXI-Klo, der Traktor heißt in Bayern nur Bulldog und auf dem Bau ist der Winkelschleifer immer nur die Flex und der Porenbetonstein (nicht Gasbeton!!!) ist der Ytong-Stein!

Kennt einer einen Gliedermaßstab oder doch nur den Zollstock (Bayern: Meterstab)?
Für die gute alte Saugglocke, die uns die verstopften Fäkalien durch den Siphon drückt wird sogar das Wort Pümpel benutzt!
Wer war da denn bitteschön der Texter?
Und für das normale Brötchen gibt es im Deutschen mehr Begriffe als für den Geschlechtsverkehr…

Andere Begriffe werden immer mit einem Adjektiv genannt wie ‚gute Butter‘ oder ‚lieber Gott‘.
Gute Butter? Gibt es dann auch schlechte oder so lala Butter?
Fragt irgendwer im Supermarkt mal nach schlechter oder mittelmäßiger Butter in der Hoffnung dass diese preisgünstiger sei?
Oder wer sagt eigentlich das Gott lieb ist? Hat ihn irgendwer letztens mal getroffen? Außerdem sollten religiöse Menschen davon ausgehen, dass ihr Gott lieb ist – macht ja mit einem bösen oder gleichgültigen Gott auch wenig Sinn…
Davon ab: Ich denke dass die Opfer der Sintflut auf Gott nicht so gut zu sprechen waren als sie ertranken.

Dazu kommt noch das ganze Fachchinesisch, Angler- und Jägerlatein, was Ärzte schwafeln kann man auch nur noch rudimentär deuten und unsere Politiker labern eh nur noch Müll!
Warum sagt der Jäger zu Hasenscheiße Losung?
Warum heißen Halsschmerzen Angina?
Und unsere Politiker?
„Planungsreserve“, „Glaubwürdigkeitslücke“, „Gesundheitsreform“, „Handlungsbedarf“ , „sozialer Dialog“, „kollektives Einzelinteresse“, „ausgegrenzte Konfliktfelder“, „angedachte Eckpfeiler“…

Aber wir Coputerfuzzys schießen komplett den Vogel ab.
Nicht nur, dass sämtliche Namen von Softwareanwendungen englisch sind und übersetzt Namen wie: Fenster, Wort, Zugriff, Hervorrag, Freihand, Fotoladen, Quarkausdruck, Feuerfuchs oder Ausblick haben – nein, die führenden Unternehmen heißen: Winzigweich oder Apfel…
Im normalen Sprachgebrauch werden Vokabeln benutzt, mit denen man noch vor zwanzig Jahren in die Klappsmühle eingewiesen worden wäre.
Oder haben sie 1990 mal etwas gegoogelt um das gegoogelte gleich der ganzen Buddylist zu mailen?
Nee, wa?
Hätte ich nach der Wiedervereinigungsfeier oder nach dem WM-Endspiel gesagt, dass ich nicht mehr so lange kann, da ich am nächsten Tag noch für meine Websites den Content aufarbeiten muss, weil die PDFs noch nicht fertig sind und diese noch in den HTML-Code einbinden muss um dann noch das CSS anpassen zu können, wäre ich wohl mit ruhgen Worten beruhigt worden, bis mich nette Pfleger mit einer Hab-Mich-Lieb-Jacke abgeholt hätten.
Damals gab es ja gerade einmal das Megabyte! Giga und Tera waren damals noch Namen für ostdeutsche Kinder! Das Internet gab es auch noch nicht!!!

Aber wenn ich (DTP-Operator und Webdesigner) mit Toni (SysAdmin) rede, hört sich das für einen Aussenseiter wie das Gelabere von Aliens an – und wenn Toni mal in Action ist (sorry Toni…), verstehe selbst ich manchmal auch nur die Hälfte.
Aber das gehört eben dazu, auch wenn die ewig gestrigen (oder Franzosen…) meinen, die deutsche Sprache einwecken zu müssen!
(Den letzten Gag verstanden?)

Aber sollen die nicht verschnupft reagieren, wenn Toni und ich die gute deutsche Sprache auseinander reißen:
Es gibt dafür ja Tempos und Tesafilm! Und schließlich müssen wir unsere Semmeln/Schrippen/Weckle auch mit irgedwas verdienen!
Sollen die sich doch im Dixi-Klo einschließen und mit Ytongsteinen zumauern lassen – keine zehn Bulldogs lassen uns von unserer Meinung abweichen, das sind für uns doch nur ausgegrenzte Konfliktfelder…

In diesem Sinne

Euer angeflexter Eckpfeiler Carsten

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Hoettges

Hoettges

6 Comments

gine42

Ach, ich reg mich darüber nicht mehr auf. Wahrscheinlich werde ich alt oder so…Ich finds nur manchmal lustig, wenn ich bei mir selbst merke, dass ich nur noch diesen Schwachsinn rede, mit dem niemand ausserhalb der Arbeit was anfangen kann, es sei denn jemand arbeitet in einer ähnlichen Branche oder ähnlichen Strukturen.
Aber „winzigweich“ war mir auch so noch nicht bewusst! :))

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Hoettges

Siehste:
Und da hauen Sarazin und Co. auf die Ausländer ein, weil sie sich weigern Deutsch zu lernen…
Aber versetz Dich mal in die Lage des Ausländers:
Wennn es 30 verschiedene Arten Deutsch gibt, welche ist denn dann die Richtige???

Jeder Beruf/Verband/Verein hat mittlerweile seine eigene Sprache – sind das alles Paralellgesellschaften?

Is‘ doch alles Losung…

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Anonymous

Ich habe mich mal wieder selbst erkannt in diesem deinen Beitrag. Ist schon erstaunlich, wie werbegeschädigt wir sind. In den guten alten DDR Tagen gabs das Problem nicht. Da hieß ein Papiertaschentuch auch so und Butter gabs auch nur eine Sorte (die dann höchstens hart – wenn frisch aus dem Kühlschrank – oder weich war). Beim Klo wars auch einfach. Hatte man kein Bad, stand in der Regel ein Plumpsklo aufm Hof und ich glaub nicht, daß dies der Name des Herstellers war.
Ansonsten geht’s mit der Sprache der Dichter und Denker immer weiter bergab und nur ein Bekloppter wie der olle Sysiphus würde sich an die Aufgabe wagen, den rollenden Stein aufzuhalten.

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Hoettges

Genau das ist ja der Punkt:
Die Sprache der Dichter und Denker!!!

Mal im Ernst: Die Denker (soweit vorhanden) hauen alle aus Deutschland ab, und die Dichter sind komplett ausgestorben.
Derzeit werden wie verrückt Texter gesucht – anscheinend aber keine gefunden…
(Selbst ich habe in unregelmäßigen Abständen Anfragen!)

Da herrscht tatsächlich ein Fachkräftemangel, aber den kann der Brüderle wohl nicht mit Indern kompensieren…

Aba isch bin ja noch nisch am Arbeitn tun, ey!
Wenn jetz einer das lesn tut, kann das Opfa mir ja Angebot machn tun, oda so…

Grüße
Carsten

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Anonymous

Na da müßte der Herr B. erst mal selbst zum Denker werden ! Und stimmt, die Denker hauen ab (wie ich z.B.). Und meine bescheidenen Dichtkünste hab ich gleich mitgenommen !

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Hoettges

Das von der Deutschen Regierung mal einer zum Denker wird, ist wohl eher unwahrscheinlich (wie ein Sechser mit Superzahl, ein adäquater Job für mich oder ein guter Song von Dieter B.) – nur dass ich immer noch in Deutschland hocke macht mich, aufgrund meiner eigenen Theorie, schon ein wenig stutzig:
Am Ende bin ich auch noch so blöd wie der Rest…

Kann nicht sein!
DARF NICHT SEIN!!!

OK: Jetzt wo wir rausgefunden haben, dass ich weder Dichter noch Denker bin – kann ich auch eigentlich Bundeskanzler werden…

*schauder*

Scheiße – ich brauche dringend einen Job im Ausland!!!
Ich nehme auch Holland oder Österreich!!!!!!!
Egal: nur weg von hier…

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