Die alternative Ewigkeit

Like

Am 11. September 2269 starb ich durch einen tragischen Unfall:
Ein Kickboardfahrer, der durch einen Fahrradfahrer geschnitten wurde, brachte mich zu Fall, worauf mich ein Nordic-Walker wie eine gemeine Kröte aufspiesste.

Ich wußte immer, daß ich mal genau so enden würde!

Aber daß es mich ausgerechnet an meinem 300ten Geburtstag erwischte, war sogar für mich überraschend.
Zu dieser Zeit arbeitete ich als Troubleshooter für die deutsche Praktikantenregierung (nun mal im Ernst: Wir hatten es doch alle geahnt…), da ich meine gesetzlichen 350 Beitragsjahre für meinen Lebensabend noch nicht voll hatte und somit meine drei Hartz 4ler (Lars-Torben, Jeanette und Mandy) noch ernähren musste.
Meinen Job als Computer-Grafiker (DTP-Operator) musste ich an den Nagel hängen, da die Gesellschaft schon so weit degeneriert war, dass Comuter mangels fähiger Bediener abgeschafft wurden. An ihrer Stelle, traten kleine Boxen, die auf Zuruf uralte Porno- und Klingeltonseiten öffneten, die in einem immer noch existierenden (wenn auch seit 200 Jahren nicht mehr aktualisierten) Internet dahinvegetierten.

Kurz nach meinem Tod, wachte ich, an einem Tisch sitzend, in einem weißen Raum auf.
Ich war nicht allein, denn ein junges Mädchen, welches sich mir als Praktikantin Melanie vorstellte, befand sich genau gegenüber von mir am anderen Ende des Tisches.

„Nun, …“ begann Melanie, nach der Vorstellung, um zum Punkte zu kommen „… nun, Herr Carsten, erst einmal Willkommen im Wartesaal der verlorenen Seelen! Ich bin Ihre Sachbearbeiterin für die Ewigkeit.“
Na, besten Dank auch: Selbst im Leben nach dem Tode habe ich es mit den Blüten der allgemeinen Sparmaßnahmen zu tun – war klar!
„Danke!“ entgegnete ich „Kann oder soll jetzt ich irgendwas tun?“
„Nun, ja Herr Carsten, da sie hier nicht bleiben können, werden wir jetzt über ihre Ewigkeit bestimmen… Wo ist denn Ihre Akte??? Bleiben sie mal kurz hier sitzen, ich werde die Akte schnell von meiner Kollegin besorgen.“

62 Jahre später erschien Melanie wieder, um mir meine Akte zu zeigen:
„Hahaha, Herr Carsten. Wir haben herzlich über die Umstände ihres Todes gelacht…“
„Schon gut… was is‘ jetzt mit der Ewigkeit?“
„Pffft — da haben wir uns noch gar keine Gedanken gemacht. Und ehrlich gesagt: das langweilt und echt! Hilft uns bei unserer Popstarkarriere auch nicht weiter…“
Mein Hals schwoll zu einer 64 er Kragenweite an:
„Und wie geht’s dann weiter?“
„Och… wir haben da zwei Möglichkeiten: Himmel oder Hölle! Ich schlage vor, sie schauen sich mal beide Möglichkeiten an und entscheiden dann selbst!“

Na geht doch!

Zuerst ging ich durchs Himmelstor, um mir den Himmel mal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Nach einigen Gesprächen mit manchen Insassen, sank meine Euphorie für diesen Platz auf ein Minimum: Langweilig wie eine Waschmittelwerbung, diese Location!
Ich sprach mit dem Chef (er nannte sich Gott und gab sich den Titel „Allmächtiger(!)“):
„Sach mal: Haste den Laden hier nicht im Griff, oder warum isses hier so öde?“
„Nun, Carsten: Hier leben nur Seelen, die in ihrem irdischen Leben streng nach meinen Geboten gelebt haben!“
Die Antwort reichte mir vollkommen aus: Nur Streber hier!
Also mal schauen was in der Hölle so los war…

Nach meinem Eintritt in die Hölle bemerkte ich sofort ein kaputtes Thermostat an der Heizung, welches bei Zeiten mal ausgetauscht werden sollte. Des weiteren sah der ganze Laden wie ein schmuddeliger SM-Puff aus: Alles in rot und schwarz gehalten und überall wurden Leute gefoltert – nun für die Ewigkeit auch nicht Abendfüllend, aber vielleicht gab es ja noch mehr. Also ab zum Chef!
Nachdem ich seinem Hiwi Adi bescheid gab, er solle sich umgehend verfatzen, da die großen Jungs was zu Reden hätten, entschuldigte sich Satan (Titel: Fürst der Finsternis! Ich sollte mir auch mal so einen magawichtigen beruflichen Titel zulegen…), dass er viel zu tun hätte und es darum für Entertainment nicht viel spielraum gäbe. Und ausserdem: die Sparmaßnahmen…

Ich hatte genug gehört und gesehen!
So beschloß ich mich selbständig zu machen. Ich richtete eine alternative Ewigkeit ein:
Eine Kneipe ohne Rauchverbot, Biergarten, Live-Fußball am TV, Kegelbahn und gutem Sotiment (Einbecker Bier, Onko-Kaffee, gutes Essen und hübschen Bedienungen).

Wenn Sie jetzt denken:
Super – Dann mal her mit dem sozialverträglichen Frühableben…
Stammtisch ist Mittwochs ab 20.00 Uhr!

In diesem Sinne

Euer Carsten

(Wirt der Gaststätte „Zur kurzen Ewigkeit“)

Like

About the Author

Hoettges

Hoettges

18 Comments

Hoettges

Naja, Kreativität liegt wohl im Auge des Betrachters.

Aber die einzig wahre Ewigkeit existiert nur an Münchener S-Bahnhöfen, mit Anschluß zur S5!
(Leidensgenossen werden mir sofort zustimmen!!!)

Nur um eines bitte ich Dich:
Nimm meiner Kneipe nicht die Kunden weg: Pleite war ich in diesem Leben schon zu oft…

Reply
Hoettges

Melanie?

Sorry… hatte ja keine Ahnung…

*Pffftt…*

Ich hatte mal ein ähhh… Erlebnis mit einer Praktikantin namens Melanie, die bei einem Münchener Radiosender beschäftigt war und mir nicht fehlerfrei den Namen ihres Chefs mitteilen konnte!
(Mein Fax an ihn, konnte jedoch noch rechtzeitig durch meine Kollegin verhindert werden! Auf diesem Wege: nochmals Danke Sonja!)

Seit dem ist der Name Melanie für mich ein Synonym für: „Praktikantin“.

Aber schön, daß es noch Hoffnung für
a) den Namen Melanie
b) für Deutschland
gibt!

Reply
little-monkeymaid

Das läuft ständig in meinem Kopf. Ich vermute, dass es das Geld nicht sein kann. Da dürfte keine was von haben. Und wenn man bedenkt, dass viele Studenten erstmal freiwillige Praktika ableisten müssen, um Jobchancen zu haben… Vielleicht doch ein und das selbe.

Reply
Hoettges

Ich habe mal eine Story namens „Jeder ist seines Gottes Schmied“ geschrieben, die im 25ten Jahrhundert spielt.
Regierungsform zu jener Zeit: Die Praktikantrie
(OK: ich gebe zu, daß ich ein wenig von mir selbst geklaut habe im letzten Beitrag!)
Regierungsoberhaupt: Die allerhöchste Melanie (kein Scheiß!)

Also, wennde noch’n bischen warten kannst…

Reply
Hoettges

Nun mal nicht größenwahnsinnig werden:
Vorher werde ich noch deutscher Kaiser!

Grüße
Carsten I *großmütiglächelunduntertanenzuwink*

Reply
Hoettges

Stimmt auch wieder!

Musst dann nur Bescheid sagen, wann ich mit dem Arschkriechen anfangen soll (bin da eher praktisch veranlagt…), damit ich dann nicht den Job als Raumschiffantrieb(!) bekomme – wie in der Geschichte – was dann dazu führt, daß ich das komplette Universum auf dem Gewissen habe.

Kann ja keiner wollen, oder?

Reply
Hoettges

Aber immer ich?
Wann soll ich dann meinen Monster-Katalog fertig bekommen?

Ich sehe schon: Die nächsten paar Wochenenden kann ich mir wieder klemmen…

Immer die gleiche Sch…

Reply
SevenOfKirchheim

Boah, war ich schon lang nicht mehr hier… haben wir wirklich erst 2008?

Wie dem auch sei, es hat sich viel getan und trotzdem hat sich nichts verändert… Ja, ich neige heute zu Äußerungen, für die ich den Grimme-, Pulitzer-, Nobel-, Schießmichtot-Preis und Oscar erhalten sollte.
Noch eine Kostprobe? Heute im Büro gegen 15.00 Uhr, der tote Punkt ist längst überwunden, ich sitze neben mir im Drehstuhl und lausche den langweiligen Fragen meines telefonischen Gegenübers. Fragen, die ich nicht beantworten kann und eigentlich auch nicht beantworten will. Was sagt man also? „Ich tappe hierbei noch im Dunkeln und hoffe, ins Schwarze zu treffen.“ (Szenenapplaus)
Inzwischen bin ich ja soweit, dass ich mir überlege, as passiert wäre, hätte das falsch personalisierte Fax Melanies Radiofritzen (oder eher Radioklaus) erreicht. Hätte er sich vielleicht sogar gemeldet, wären wir ins Radio gekommen, hätten wir den Weltfrieden angestoßen, wäre „Jeder ist seines Gottes Schmied“ anders verlaufen?
Fragen über Fragen und keine Antworten, die dazu passen.

Aber a propos: aufgrund aktueller Ereignisse sollte man sich wirklich mal überlegen, diesen Fortsetzungsroman auch fortzusetzen.
Ich hätte da so einige Ideen, die mit brillant in das Schema passender personeller Besetzung (durch die Bank mehr oder weniger alt(bekannt)es Frischfleisch) umgesetzt werden könnten. Es schreit geradezu nach einer Tour d’Horizon – allerdings bin ich nun erstmal wochenendtechnisch anderweitig vertourt, so dass mein Alzheimer mal vergessen sollte, zu existieren, damit ich mir wenigstens die Highlights noch merken kann.

Ein exklusives Wochenende wünsche ich!

Reply
Hoettges

Besten Dank!
Bei mir ist derzeit auch jeden Tag Karneval:
-Arbeit für fünf, und wir sind nur zweieinhalb
-Meine Oma ist heute gestorben (83)
-Das Universum macht Überstunden und
-die Bundesagentur für Carstenverarschung hat einen höheren Etat bewilligt bekommen!

Wochenende?
Dringend notwendig! Fahre morgen erst mal zum Klaus und werde mich zwei Tage lang kaputtsaufen!!! (Nach Nettlingen kann ich wohl nicht, da ich am Montag eine wichtige Druckvorlage abgeben muss, deren Produktion ich auch noch überwachen sollte. Ganz kleines Teil: Katalog mit -jetzt nur noch- 824 Seiten!)

Daalschlach: Täglich! (mehrmals)

Ansonsten: Dir auch ein schönes WE – bis denne!

Gruß

Carsten
TGoPDF

Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

fünf × drei =