Geistlose Weihnachten!

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Neulich wachte ich Morgens auf, und sah vor meinem Bett eine Erscheinung, die sich mir als der Geist der Weihnacht zu erkennen gab.
„Hallo, was machen sie bitteschön in meinem Schlafzimmer? Und wer hat sie hier überhaupt hereingelassen?“ frug ich den Geist, der mir: „Ich bin der Geist der Weihnacht und verkünde die frohe Botschaft“ antwortete.
Der Geist der Weihnacht? Frohe Botschaft? Hatte ich gestern einen zur Brust genommen, oder sowas? Dachte ich noch so bei mir, als der Geist auch schon „Freuet euch!“ zum Besten gab!

Langsam aufwachend und Kaffee aufsetzend entgegnete ich ihm, dass ich, sollte er bei drei nicht aus meiner Wohnung verschwunden sein, für Nichts mehr garantieren könne!
„Ja, freust du dich denn nicht auf Weihnachten, Carsten?“ Diese Frage hatte bei mir die gleiche Wirkung wie vier Tassen Onko: Ich war schlagartig wach!
„Freuen? Ich? Auf Weihnachten? … Hast Du mal meinen letzten Kontoauszug gesehen? Das ganze Jahr nur die Scheiße am Hacken, nix zu Fressen im Kühlschrank – da total pleite, und du fragst, ob ich mich auf Weihnachten freue???“
„Aber Carsten, Weihnachten ist das Fest der Liebe!“
„Nun hör mal zu, Du Weltverbesserer: Das ganze Jahr kümmert sich die Welt einen Scheißdreck um mich, man wird nur noch belogen und betrogen, und nur weil das Jahr jetzt endlich zu Ende geht, soll ich hier einen auf Liebe machen? Werd mal erwachsen!“
Der Geist ließ jedoch nicht locker:
„Aber Carsten, an Weihnachten ist unser Herr geboren!“
„Na Super! Erstens war ich damals nicht dabei, weil es ja nun doch schon einige Donnerstage her ist und zweitens bin ich mein eigener Herr! An meinem Geburtstag feiern ja auch nicht alle wie bekloppt irgendwelche Feste… eher im Gegenteil!“
„Naja, du hast ja auch am 11. September…“
„Ach kuck an! Das Datum passt dem feinen Herrn Geist wohl nicht?“ Ich wurde langsam sauer, konnte mir aber wenigstens die erste Tasse Kaffee eingießen.

„Äääh, darum geht es ja auch nicht! Du bist ja schließlich nicht der Heiland, Carsten!“
„Aha, und woher weißt du das? Steht irgendwo: ‚Carsten ist definitiv NICHT der Heiland‘ geschrieben?“
„Nein, aber es kann nur einen geben…“
„Das verwechselste jetzt aber mit dem Highlander…“ Ich musste aufpassen, dass ich mich nicht noch am Kaffee verschluckte. So langsam gefiel mir das Gespräch: Wenn ich schon nichts mehr hatte, so konnte ich wenigstens noch Weihnachtsgeister verarschen!

„Soll das heißen, Du feierst Weihnachten gar nicht?“
Wow! Ist er da ganz alleine drauf gekommen?
„Bingo, Einstein! Denn wo es nix zu feiern gibt, wird auch nix gefeiert! Ganz einfache Gleichung.“
„Aber jeder feiert doch Weihnachten…“ Meine Güte, war der Kerl weltfremd, ich musste ihn wohl mal ein wenig aufklären!
„Sach mal Geist: Du bist noch nicht viel rumgekommen, oder?“
„Ganz im Gegenteil, ich kenne die ganze Welt!“
„Und da willst du mir erzählen, Jeder würde Weihnachten feiern?“
„Ja!“
„Interessant! Und was ist mit den paar Milliarden Nicht-Christen und den Leuten wie mir, die an gar nix glauben?“
Jetzt hatte ich ihn! Mal sehen, wie er aus der Nummer rauskommen wollte.

„Naja, Jeder war wohl mehr rhetorisch gemeint…“
„Nun, pass mal auf, du Weingeist: Die Einzigen, die Weihnachten richtig feiern, sind Einzelhändler und Weihnachtsbaumverkäufer! Erscheine mal bei einer deutschen Standardfamilie am Heiligabend um kurz nach sechs Uhr Abends. Und guck dir dann mal das Theater an! Wenn du das feiern nennst, bist du meiner Meinung nach nicht mehr therapierbar!“
Jetzt musste sich der Geist setzen und verlangte nach einer Tasse Kaffee!

„Ja, ja. Du hast ja nicht ganz unrecht: In den letzten Jahren ist Weihnachten sehr kommerziell geworden!“
„Milch?“
„Nein, danke! Aber wenn du etwas Zucker…“
„Kommt sofort!“
Ich goß mir auch noch eine Tasse ein, und wir setzten unsere Diskussion fort:
„Nun sei mal ehrlich Geist…“ begann ich jetzt einmal „Um den Job haste dich doch auch nicht gerade geschlagen, oder?“
„Ja… Ich meine: Nein! Du hast ja schon ganz recht. Die frohe Botschaft zu verkünden ist derzeit ein Job für einen, der Mutter und Vater erschlagen hat…“
„Kann man da nicht umschulen?“
„Als was denn? Soll ich den Wachturm verkaufen?
„Na, da wollen wir mal nicht Trübsal blasen, nur weil es mal nicht so läuft! Was hast du denn gelernt?“
„Nur Geist, mehr nicht… damals war das ja auch noch ein Job, der Spaß machte und begehrt war! Und heute? Ach leck mich doch am Arsch!“
„Na, na, na! Solche Ausdrücke möchte ich kurz vor Weihnachten aber nicht hören!“
Hatte ich das jetzt gesagt?

„Weihnachten!“ schimpfte der Geist nun lauter! „Hör mir auf mit Weinachten! Jeden den du zu Weihnachten in Stimmung bringen willst, verarscht dich am Ende! Haste noch nen Kaffee?“
„Jau! Sofort… – Aber immerhin hast du einen Job! Schau mich mal an! Da kommste mit deinem Weihnachts-Schmarren genau zum Richtigen!“
„Ha! Ich würde sofort mit dir tauschen, Carsten!“

Gesagt, getan: Ich nahm den Job als Weihnachtsgeist an (schlechtes Grundgehalt, dafür ein Top-Weihnachtsgeld!) und der Geist (der sich ab jetzt Heinrich Bartels nannte) bekam eine Umschulung als Züchter für Nordmanntannen bezahlt, und wird demnächst ein Praktikum in Schweden beginnen!

Sollte nun bei Einigen keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommen, bitte ich um Entschuldigung: Ich mache den Job noch nicht so lange, und muss mich da erst einmal reinfuchsen! Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tage erbaut…

In diesem Sinne: Frohe Weihn… ach, wen will ich hier eigentlich verarschen?

Euer Carsten

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Hoettges

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6 Comments

Hoettges

Danke, geht runter wie Öl so ein Lob!

Dann wünsche ich noch gute Ausreden um dem Weihnachtstrubel zu entgehen (meine waren leider zu schlecht…)!

Gruß
Carsten

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